MÜHLEBACHSTRASSE 76, ZÜRICH, SCHWEIZ +41-(0)77 451 70 62

Ivana Campedel

Ivana Campedel

„Albinismus ist die Bezeichnung für eine Gruppe angeborener genetischer Defekte durch Vererbung die zu einer Störung der Melaninbildung führen. (Pigmentmangel).

 

Ich bin 1960 im Jahre der angriffslustigen Ratte geboren, was gar nicht so abwegig ist:-) Wenn mich jemand auf meine „WEISSEN“ Haare anspricht werde ich regelrecht angriffslustig! Obwohl ich kein Pigment besitze, sind meine Haare Blond und nicht weiss. Den meisten Menschen fällt es aber gar nicht auf, dass ich Albino sein könnte, da helle Haut in unseren Breitengraden nichts Besonderes ist.
Bevor ich in die 1. Klasse in meinem Wohnort zur Schule ging, ist mir meine Sehbehinderung überhaupt nicht im Weg gestanden. Ich spielte draussen, rannte herum und verletze mich nicht mehr als die anderen Kinder. Ich wurde auch nie darauf aufmerksam gemacht, dass ich etwas nicht sehe, oder gar dass ich etwas

Falsches sehen würde, was mich mit 35 sehr unsanft auf den Boden der Realität brachte. In der 1. Klasse wurde festgestellt, dass ich nicht an die Wandtafel sah. Was mich nicht störte, da ich nicht gerne in die Schule ging. Obwohl sich meine Lehrerin alle Mühe gab mir zu helfen, wurde bald klar, dass ich in eine Blindenschule gehen müsse. So musste ich von der Ostschweiz in die Westschweiz ziehen. Das Heimweh war so gross, dass ich sehr darunter litt. Ich fühlte mich als ganz normal, da wir alle das gleiche Los trugen. Meine Behinderung wurde mir erst richtig bewusst, als ich mit 18 Jahren vom wohlbehüteten Internat in das kalte Wasser geworfen wurde. Umso mehr versteckte ich meine Sehbehinderung. Ich wollte weiterhin „Normal“ sein!!!! Mit 35 Jahren hatte ich ein paar Erlebnisse die mich auf den Boden der Realität brachten. So musste ich mir eingestehen, dass ich Sehbehindert bin – und zwar recht stark. Mir wurde klar, dass ich meine Behinderung akzeptieren musste, bevor ich es von meinen Mitmenschen erwarten durfte. Die Führhundeschule Allschwil hat sehr viel dazu beigetragen, dass ich den ersten Schritt zum Geständnis an mich selbst machte, indem ich mich für einen Blindenführund entschied und mir somit das Leben um ein Vielfaches erleichterte. Nun war ich nicht mehr die komische Frau, die nach etwas fragte, was direkt vor meiner Nase sichtbar war. Ich brauchte keine Entschuldigungen und Ausreden mehr, wenn ich z.B. nach dem Weg oder einen Strassennahmen fragen musste.

 

Mit 50 Jahren kam eine Hörbehinderung dazu und mit 52 musste ich mich einer Brustkrebsoperation unterziehen. – Und trotz allem geht es mir gut und führe ein ganz normales Leben!!!!!

Ivana Campedel“