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Michelle Husistein

Michelle Husistein

„Ich heisse Michelle Husistein-Zuber und wurde am 28. April 1978 in Zürich geboren. Ich habe ein deutlich verkürztes rechtes Bein und an der linken Hand fehlen mir zwei Finger.
Als ich etwa jährig war bekam ich meine erste Orthese. Die glich zwar eher einem Piratenbein, aber ich konnte nun gehen und durfte als ganz normales Mädchen aufwachsen. Ein Wirbelwind der sich durch nichts aufhalten lies und ihren Kopf immer durchsetzt. Ich machte alles mit, auch wenn die Prothese dadurch oft litt und ich fast wöchentlich den Orthopäden aufsuchen musste, durfte sämtliche öffentliche Schulen besuchen und man machte keinen Unterschied zu den „Normalen“. Für mich gibt es nichts was ich nicht kann, ausser ich will es nicht!
Bei der Lehrstellensuche merkte ich aber rasch nach über 50 Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen, 

dass es doch immer schwerer wurde „normal“ angeschaut zu werden. Hier und da musste ich mir Bemerkungen wie: „Wir können sie so nicht auf unsere Kundschaft los lassen, oder sie können keinem Kind nachspringen“ sagen lassen. Das tat weh!
So machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit der IV-Berufsberatung. Die schlugen mir eine Lehre im Ausbildungszentrum Brunau vor, wo ich eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellte ausübte. Dort lernte ich auch meinen heutigen Mann Patric kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick! Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich anders als „Normale“ behandelt wurde! Was mir nicht wirklich gefiel. Ich finde jeder Mensch hat das Recht normal behandelt zu werden mit oder ohne Behinderung!
Nach meiner Lehrzeit erhielt ich sofort eine Festanstellung als Debitorenbuchhalterin. Ich machte diesen Job wirklich gerne und konnte mich beweisen. Es gab dort für mich nie eine spezielle Behandlung und ich wurde als „normale angesehen“ was ich sehr schätzte!
Am 29. November 2002 heiratete ich Patric und unser erster Sohn Nico erblickte am 08. April 2003 das Licht der grossen weiten Welt. Wir waren so stolz und überaus glücklich. Die Schwangerschaft verlief zwar problemlos, doch die Blicke der Leute wurden mehr. Auch im Spital wurde immer kontrolliert, ob ich alles richtig mache… mehr als je zu vor. Mein damaliger Frauenarzt wollte jegliche Tests machen und ein Kaiserschnitt stand für ihn von Anfang an fest.
Nico kam dann zwar auch per Kaiserschnitt auf die Welt, aber nur weil er quer lag. Luca gebar ich ganz normal am 22. Oktober 2005. Nicht so einfach mit einem Bein, doch es geht, wenn man will! Sandro gebar ich 4 Jahre später am 4. September 2009. Alle sind gesunde und aufgeweckte Jungs.
Seit der Geburt unserer Söhne bin ich stolze Managerin eines 5 köpfigen Haushaltes und sehe unsere Familie als völlig normal an, auch wenn wir anders sind als die meisten anderen.
Leute, die uns schräg anschauen und fragen, ob wir das schaffen, kann ich nur sagen: „Mann schafft alles wen man es nur will!!!“ Traurig finde ich nur, dass es den meisten Behinderten gar nicht gestattet ist eine Familie zu haben, oder gar sexuellen Kontakt zu haben. Warum? Wer hat das Recht darüber zu entscheiden wer lieben darf und wer nicht, wer eine gute Mutter oder Vater sein wird?
Am meisten trifft es mich jedoch, wenn meine Kinder unter der Behinderung leiden müssen, weil die Welt da draussen uns ständig schräg ansieht, statt zu fragen: „Wieso haben deine Eltern das?“ Ich bitte alle da draussen, kommt auf uns zu. Fragt uns, wir geben Euch dazu gerne Antwort und vergesst nie: Es kann jeden in seinem Leben treffen! Und dann willst DU auch nicht nur angeschaut werden, wie Affen im Zoo! Wir sind Menschen wie IHR!