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Patric Husistein

Patric Husistein

Hirnschlag im Alter von 14 Jahren

Ich gehe meinen Weg

Hallo zusammen ich heisse Patric Husistein und bin 36 Jahre jung. Ich wurde mit 14 Jahren aus meinem „normalen“ Leben heraus gerissen. Ich litt an diesem Tag unter sehr starken Kopfschmerzen, doch ich dachte mir nichts dabei. So fuhr ich wie immer mit dem Bike zur Schule. Die Kopfschmerzen waren so schlimm, dass ich von meinen Kollegen nichts mehr mitbekam. Als sie los fuhren, fuhr ich mit. Wir kamen nicht weit, bevor ich Ohnmächtig wurde und von meinem Bike fiel. Im Kantonspital Aarau der Kinderabteilung unter Epilepsie Verdacht bin ich wieder aufgewacht. Da bin ich wieder weg getreten und die Diagnose war nun Hirnschlag!

Die ganze rechte Seite war gelähmt; jeder Muskel. Ich konnte weder mein rechtes Auge schliessen, noch konnte ich schlucken, gehen, reden, schreiben oder alles was sonst so selbstverständlich erscheint.

Na gut hätte auch schlimmer sein können. Nach drei Tagen wurde meine Festplatte neu gebootet und seit diesem Zeitpunkt kann ich mich auch wieder an alles erinnern. Nun hiess es, in die Hände spuken und an mir arbeiten.

Man muss nur ganz langsam einen Schritt vor den anderen setzten.
Geduld: Ist die Eigenschaft die ich mühsam erlernen musste und die heute eine von meinen Stärken ist. Es gibt keine Abkürzung!

Fast 10 Monate lag ich im Spital. Nach meiner Spitalentlassung ging ich für ein Jahr ins Rehabilitationscentrum in Deutschland, weil es zu der Zeit in der Schweiz nichts gab.

Nach gut 2 Jahren war ich einigermassen beisammen, konnte endlich meinen Schulabschluss machen. Eines Morgens hatte ich dann erneut einen Unfall. Bike gegen 125er-Motorrad: das gibt acht Knochenbrüche und einen Monat Spitalaufenthalt. Tja, was tut man nicht alles um Arbeitsplätze zu sichern.

Meinen Abschluss und ein neues Bike in der Tasche zog ich nach Zürich um in der Brunau Büroangestellter zu werden. Nach zwei Jahren hatte ich auch diesen Abschluss erlangt. Ich interessiere mich sehr für Computer, Netzwerke, Server usw. So machte ich verschiedene Weiterbildungen: SIZ, PC-Supporter, Microsoft Zertifikate usw. Bei Gilgen Logistics AG, WALFRA GmbH und Pagevision AG hab ich mein Wissen als IT-Supporter geprüft. Private, KMU, Netzwerke, Server und PC hab ich eingerichtet, konfiguriert und Supportet. Es war eine sehr hektische Zeit aber eine gute. Ich hatte fast keine Zeit für meine Familie. Deshalb musste ich was ändern!

Seit 2. Mai arbeite ich in der EDV im WBZ (Wohn- und Bürozentrum für Körperbehinderte) und bis jetzt gefällt es mir recht gut. Ich habe mehr Freizeit die ich mit meiner Familie verbringe. Ich habe eine sehr schöne, liebe, verständnisvolle Frau geheiratet, die mir 3 Kinder geschenkt hat: Nico Gian 8.4.03, Luca Gabriel 22.10.05 und Sandro Andras 4.9.09

Meine grösste Leidenschaft neben der Familie ist die Japanische Kampfkunst Jinenkan Jissen Kobudo die ich aktiv ausführe. Es Bedeutet für mich Therapie, Verteidigung und gute Freunde. Das Training ist für mich immer eine Herausforderung; denn sehr oft werden beide Hände oder gar nur die rechte Seite gefordert. Ich muss dann innert Sekunden alles auf links umdenken oder eine Anpassung der Bewegungen für meine körperliche Behinderung finden.
Meine grösste Beeinträchtigung ist: Meine Sprache. Diskutieren kann ich vergessen. Ich bin lieber still und höre zu. Alles andere hab ich mit der Zeit und alternativen Techniken gelernt.
In der Schweiz erleiden ca. 12’000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs. Die Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen sind gravierend. Innerhalb der ersten vier Wochen stirbt jeder Fünfte. Mehr als die Hälfte der Patienten bleiben behindert, wobei 20 Prozent davon schwer bis sehr schwer behindert sind. http://www.boehringer-ingelheim.ch/de/products/prescription_medicines/schlaganfall.html
Deshalb gehe ich ab und zu als Proband um neue Therapie Möglichkeiten zu testen nach Zürich in die ETH um unser Therapie Angebot zu verbessern. Damit die heutigen Schlaganfallpatienten eine bessere Therapie bekommen.
Für mich ist der Zug für weitere Therapien abgefahren, Krankenkasse wie auch die IV wollen die Therapie nicht mehr bezahlen.
Noch was zum Schluss: Man muss das Positive sehen… Dank dem Schlaganfall konnte ich nochmals Fahrrad fahren lernen… 🙂

Zitat:
Ich werde dir jetzt was sagen, was du schon längst weißt…. Die Welt besteht nicht nur aus Sonnenschein und Regenbogen. Sie ist oft ein gemeiner und hässlicher Ort. Und es ist mir egal wie stark du bist – sie wird dich in die Knie zwingen und dich zermalmen, wenn du es zulässt… Du und ich – und auch sonst keiner – kann so hart zuschlagen wie das Leben! Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann… Es zählt bloß, wie viele Schläge man einstecken kann und ob man trotzdem weiter macht. Nur so gewinnt man! Wenn du weißt, was du wert bist, dann geh hin und hol es dir. Aber nur, wenn du bereit bist die Schläge einzustecken! Aber zeig nicht mit dem Finger auf andere und sag du bist nicht da wo du hinwolltest, wegen ihm oder wegen ihr, oder sonst jemandem. Schwächlinge tun dass! Und das bist du nicht – DU bist besser! Rocky

Mein Leitkanji:
„Tan Ren“ „Den Körper und den Geist schmieden“
Von Patric Husistein